Was hilft gegen Rückenschmerzen beim Lesen im Bett nach der Spätschicht?

Der Roman kippt mir schon wieder aus der Hand, weil der linke Arm nach ein paar Seiten taub wird, und der Zug im unteren Rücken ist sofort da, kaum dass ich mich zwischen den Kissen eingerichtet habe. Neun Stunden Spätschicht in der Buchhandlung an der Großen Elbstraße stecken noch in den Schultern, und ausgerechnet jetzt, wo ich eigentlich nur noch lesen will, meldet sich der Rücken mit diesem altbekannten Ziehen. Rückengesundheit klingt nach einem großen Plan – bei mir war sie lange nur die Frage, wie ich zehn Minuten mit einem Buch im Bett überstehe, ohne mich danach noch verspannter zu fühlen.

Vor der Schicht hatte ich mir, wie in den Monaten davor relativ oft, Ibuprofen-Gel aus der Apotheke in den unteren Rücken einmassiert, in der Hoffnung, dass es über die neun Stunden trägt. Es kühlt kurz, es hilft kurz – und spätestens beim Griff nach der dritten Kiste mit Neuerscheinungen zieht es wieder genauso wie vorher. Das Gel hat mir nie wirklich etwas gebracht, außer einem kühlen Gefühl für zwanzig Minuten.

Früher griff ich dann im Bett zu noch mehr Kissen, um den unteren Rücken zu stützen, so als müsste ich die Haltung vom Tag einfach fortsetzen. Es half nicht. Je mehr ich mich einmauerte, desto verspannter lag ich da, und nach zehn Seiten war die Konzentration auf den Text ohnehin dahin.

Lesen im Bett nach der Spätschicht: Stapel gebundener Bücher auf dem Nachttisch im warmen Lampenlicht

Hilft mehr Kissen beim Lesen im Bett wirklich gegen den Rücken?

Seit ich mit der Wirbelsäulentherapie nach Reichl übe, mache ich im Bett das Gegenteil von dem, was ich jahrelang für richtig hielt. Statt mich gegen das Kopfteil zu stemmen, lasse ich die Knie leicht angewinkelt zur Seite sinken und das Kreuz ein kleines Stück runden. Klingt falsch, fühlt sich nach ein paar Minuten aber eher nach Erleichterung an als nach Nachgeben.

Warum genau das funktioniert, kann ich dir nicht erklären, und ich lasse das lieber denen, die sich mit der Mechanik der Wirbelsäule im Detail beschäftigen. Nach einer Schicht, in der ich wieder zu viele Bücher einsortiert habe und nun mit Nackenschmerzen kämpfe, ist an aufrechtes Sitzen im Bett sowieso nicht zu denken – die Muskulatur ist dann einfach zu verkürzt dafür.

Ein festes Kissen auf dem Schoß, auf dem das Buch liegen kann, nimmt den Armen die Arbeit ab, denn reines Halten ermüdet nach ein paar Seiten ohnehin. Den Kopf stütze ich nur leicht, der Nacken soll nicht abknicken, und bevor ich überhaupt ins Bett gehe, kläre ich oft erst für mich, ob Wärme oder Kälte die erste Starre nach der Schicht besser löst. Und die Wirbelsäule darf sich ruhig leicht runden, wenn die Muskulatur signalisiert, dass sie das Halten für heute aufgeben will.

Ich bin keine Physiotherapeutin, nur eine Buchhändlerin, die ihren Rücken nach Jahren hinter der Theke neu kennenlernen musste – bei anhaltenden oder ausstrahlenden Schmerzen gehört das in ärztliche Hände, nicht in ein Leinenheft.

Wirbelsäulentherapie und Rückengesundheit: zehn Minuten Morgenroutine auf der Matte, schwarze Katze liegt daneben

Woche 12 und das Gefühl im Schaufenster

Letzten Freitag, in der zwölften Woche seit ich diese bewusste Haltung beim Lesen übe, musste ich die Schaufensterauslage neu aufbauen – runter auf die Knie, Plakate glattziehen, mit beiden Händen flach auf dem Boden die unterste Reihe der Taschenbücher ausrichten. Genau das war früher der Moment, in dem sich der Rücken meldet. Diesmal kam nichts. Kein Ziehen, kein Reflex, mich sofort wieder hochzudrücken.

Eine Weile bin ich einfach unten geblieben, weil nichts drängte. Das war der Moment, der mir mehr gesagt hat als jede einzelne gute Nacht vorher.

Ausgerechnet letzte Woche hat mich eine Freundin gefragt, warum ich auf dem Hocker in der Buchhandlung inzwischen anders wirke – entspannter, meinte sie, weniger eingefroren. Genau sie war es übrigens, die mich überhaupt erst auf die Wirbelsäulentherapie gebracht hat, über ein Gespräch beim Kaffee, lange bevor ich mir dafür ein Leinenheft zugelegt habe. Seit diesem Sommer macht sie selbst einen Töpferkurs in Ottensen und erzählt mir manchmal, wie ihr nach Stunden an der Scheibe die Schultern einschlafen.

Für das lange Stehen an der Kasse übe ich inzwischen andere Dinge als für das Liegen am Abend, das sind für mich zwei verschiedene Baustellen. Die Rumpfmuskulatur, die beim Kistenheben mitarbeiten muss, braucht morgens eine andere Aufmerksamkeit als der Nacken, der sich beim Lesen nach vorne schiebt. Meine zehn Minuten auf der Matte sind kein Ersatz für die Abendroutine, eher die Grundlage dafür, dass der Rücken abends überhaupt noch mitmacht, und der erste Schritt aus dem Bett am nächsten Morgen zeigt mir sowieso jedes Mal, wie die Nacht wirklich war.

Der Beweis kommt samstags, nicht abends

Der eigentliche Beweis kam nicht abends beim Lesen, sondern am Samstagmorgen auf dem Fischmarkt in Altona. Ich war früh dort, die Stände bauten gerade erst auf, und ich stand eine ganze Weile, ohne mein Gewicht ständig von einem Bein aufs andere zu verlagern, wie ich es früher gemacht habe. Kein Ziehen beim Stehen, kein Bedürfnis, mich kurz an einen Stand zu lehnen.

Für mich war das überzeugender als jede einzelne gute Nacht im Bett, weil es zeigte, dass sich etwas am Grundzustand verändert hat und nicht nur an der Schlafposition.

Selbsthilfe-Tagebuch zur Rückengesundheit: Hand schreibt abends Notizen ins Leinenheft bei Kerzenlicht

Manchmal fragen mich Kundinnen in der Buchhandlung, was sich bei mir verändert hat, wenn sie sehen, wie vorsichtig ich inzwischen eine Kiste hochhebe. Ich erzähle dann meistens, dass mir die Wirbelsäulentherapie bei meinen chronischen Verspannungen langfristig mehr gebracht hat als jede einzelne Massage, die ich mir früher ab und zu geleistet habe, auch wenn eine gute Massage im Moment natürlich auch schön ist.

Abends steht dann wieder der Satz im Leinenheft, kurz und ohne viel Drama, manchmal nur eine Zeile über das, was diese Woche funktioniert hat und was nicht.

Nicht jede Woche läuft so rund. Letzten Montag habe ich die Matte gar nicht erst ausgerollt, weil ich nach der Schicht nur noch duschen und ins Bett wollte, und der Rücken hat sich das am Dienstagmorgen gemerkt. Blasius lag trotzdem brav auf der zusammengerollten Matte, als hätte er auf mich gewartet.

Was bei mir im Moment zählt, ist simpel: Der Rücken hält nicht durch, weil ich ihn abends mit Kissen überrede, sondern weil ich ihm morgens zehn Minuten gebe, die sonst niemand für ihn übernimmt. Heute Abend lese ich jedenfalls weiter, ohne nach jeder Seite die Position zu wechseln, und das reicht mir fürs Erste als Ergebnis.

Bitte beachten: Hier auf der Seite teile ich, was ich selbst durchgemacht habe -- kein medizinischer, finanzieller oder rechtlicher Ratschlag. Was bei mir funktioniert hat, muss bei dir nicht funktionieren. Sprich mit deinem Arzt, Steuerberater oder Anwalt, bevor du Entscheidungen triffst, die wirklich zählen.

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