
Eine emotionale Blockade lässt sich nicht lange wegschieben, bevor sie sich als Ziehen im unteren Rücken meldet und lauter wird als alles andere im Tag. Diese Frage stelle ich mir öfter, als mir lieb ist, meistens zwischen zwei Kundengesprächen, wenn gerade keine Zeit für eine Antwort bleibt.
Bevor es weitergeht, kurz dazu: Manche der Links in diesem Text sind Affiliate-Links. Bucht jemand darüber einen Kurs, bekomme ich eine Provision, ohne dass sich dein Preis ändert. Ich schreibe hier ausschließlich über das, was ich selbst in meinem Leinen-Heft durchgearbeitet habe, so etwas wie mein Selbsthilfe-Tagebuch aus der Altonaer Küche — die ausführliche Offenlegung findest du weiter unten verlinkt.
Die Massagepistole, die nichts wirklich gelöst hat
Vier Tage die Woche stehe ich in der Buchhandlung in der Großen Elbstraße, neun Stunden am Stück, zwischen Kartons vom Hanser-Verlag und der Leiter zur Lyrik-Abteilung. Das ergibt eine Wöchentliche Arbeitsbelastung von 36 Stunden, fast komplett im Stehen, und seit etwa 2022 zieht mein unteres Kreuz dabei mit einer Beharrlichkeit, die mich nicht mehr überrascht. Für Rückengesundheit in einem Beruf wie meinem gibt es keine Faustregel, die für den ganzen Tag reicht.
Genau deshalb habe ich mir vor über einem Jahr eine günstige Massagepistole aus dem Versandhandel bestellt, in der Hoffnung, dass ein bisschen Vibration am Abend reicht. Sie hat für ein paar Minuten geholfen, dann lag sie meistens ungenutzt neben dem Bücherregal, weil das Gerät laut war und Blasius jedes Mal fluchtartig unter den Küchentisch verschwand. Was mir fehlte, war nicht mehr Druck auf den Muskel, sondern ein Grund, warum die Anspannung überhaupt jede Woche zurückkam.

Blockaden im Rücken und unausgesprochene Gefühle
Eine Bekannte hat mich auf die Wirbelsäulentherapie hingewiesen, und in diesem Sommer bin ich zusätzlich tiefer in den Kurs Globales Erwachen eingestiegen, um die emotionale Seite davon zu verstehen. Klassische Physiotherapie hat mir gezeigt, was mechanisch nicht stimmt, aber sie hat nie gefragt, was ich seit Jahren im Kreuz mit mir herumtrage. Manchmal ist der Schmerz im unteren Rücken keine reine Frage der Haltung, sondern eine psychosomatische Antwort auf Druck, den ich im Alltag kaum noch bemerke.
Den Kurs in kleinen Häppchen hören
Der Kurs umfasst siebzehn Stunden Material, verteilt auf zweiunddreißig Videos, was nach viel klingt für Abende, an denen ich oft nur noch den Wasserkocher anstellen will. Trotzdem lässt sich das Material in kleinen Abschnitten hören, ähnlich wie ein dicker Roman mit einer älteren Erzählerin, den man nicht in einer Nacht durchliest. Ich habe außerdem viel über Rückenschmerzen nach dem Aufwachen nachgedacht, seit meine Nächte ruhiger wurden, sobald ich die Anspannung des Tages nicht mehr mit ins Bett nahm.
Die Freundin mit dem Pilates-Kurs in der Osterstraße
Seit einigen Monaten geht eine Freundin von mir zu einem Pilates-Kurs in der Osterstraße und schwört auf die Stabilität, die sie dadurch im Rumpf gewonnen hat. Erzähle ich ihr von meinen 36 Stunden zwischen Theke und Lager, sagt sie nur, dass ein stabiler Rumpf allein nicht reicht, wenn der Kopf woanders ist. Genau da liegt für mich der Unterschied zu den Wochen, in denen ich nur Übungen abgehakt habe, ohne zu fragen, wovor mein Rücken sich eigentlich sträubt.

Woche sieben, ein Sonntagabend ohne das übliche Ziehen
In der siebten Woche saß ich an einem Sonntagabend auf dem Küchenstuhl, den Blick zur Elbe hin, und kratzte mit einer fast leeren Feder die letzten Zeilen ins Heft. Beim Aufstehen fiel mir auf, dass die Hüfte gerade blieb, kein Ziehen zur Seite, kein Ausweichen, wie es sonst an so einem Abend häufiger vorkam. Ich schrieb den Satz einfach dazu, ohne ihn zu unterstreichen, und stellte den Wasserkocher an.
Das zeigt sich an der Theke
Diese Gelassenheit zeigt sich seitdem auch tagsüber, wenn ich an der Theke stehe oder Stapel im Lager sortiere und merke, wie meine Schultern zu den Ohren wandern, sobald das Telefon klingelt. Für die kurzen Pausen zwischendurch nutze ich oft die Übungen aus der Wirbelsäulentherapie, kleine Dinge, die sich zwischen zwei Kundengesprächen einbauen lassen. Manche davon habe ich schon in meiner sanften Abendroutine für den Rücken beschrieben, andere sind neu dazugekommen, seit der Kopf beim Üben nicht mehr ständig dazwischenfunkt.

Eine Antwort, die sich langsam zusammensetzt
Die siebzehn Stunden von Globales Erwachen haben mir nicht die Antwort auf die Frage vom Anfang gegeben, aber sie haben mir gezeigt, wo ich überhaupt suchen muss. Rückenschmerzen sind bei mir selten nur eine Frage der Haltung, sie sind oft eine Ansage darüber, was ich zu lange allein trage, ohne es laut zu sagen. Das lässt sich nicht an einem Wochenende lösen, aber es lässt sich jede Woche ein kleines Stück mehr erkennen.
Vielleicht stellst du dir heute Abend eine ähnliche Frage, während du selbst überlegst, ob es die Matte ist oder doch der Kopf, der zuerst dran ist. Es muss keine große Antwort sein. Manchmal reicht es, den Wasserkocher pfeifen zu hören und kurz zu spüren, wo der Körper gerade Nein sagt, bevor man weitermacht.
Ich klappe das Heft jetzt zu, Blasius liegt schon zusammengerollt auf der Matte, und morgen wartet wieder die Große Elbstraße mit neuen Lieferungen und der Kundin, die noch immer nach ihrem Doppelgänger-Roman sucht. Mein Rücken fühlt sich heute nicht geheilt an, nur ein Stück ehrlicher besprochen.