
Der Wasserkocher klickt, noch bevor die Matte richtig ausgerollt ist. Blasius hat sich schon daraufgelegt, mit dem selbstverständlichen Anspruch eines Katers, der weiß, dass ich ihn gleich wegschieben werde. Neun Stunden Theke, Leiter und Auslage in der Buchhandlung stecken mir noch in den Schultern, und genau da fängt für mich das Thema Rückengesundheit an – nicht in einem Ratgeber, sondern im Buchhändler-Alltag zwischen Bestellschein und Kassenband. Seit ich mit reichls Wirbelsäulentherapie übe, schreibe ich sonntags auf, was diese Selbsthilfe im Alltag wirklich verändert hat und was nicht.
Kurze Offenlegung vorweg: In diesen Notizen stecken ein paar Affiliate-Links. Bucht jemand darüber einen Kurs, bekomme ich eine kleine Provision, ohne dass sich der Preis für dich ändert. Ich schreibe grundsätzlich nur über das, was ich selbst auf meiner Matte ausprobiert und im Leinen-Heft festgehalten habe. Die vollständige Offenlegung steht weiter unten.
Warum die Massagepistole nichts an meiner Haltung änderte
Vor der Wirbelsäulentherapie hatte ich mir eine günstige Massagepistole aus dem Versandhandel bestellt, in der Hoffnung, dass zehn Minuten Vibrieren am Abend reichen würden. Sie tat für den Moment gut, ungefähr so wie die klassischen Massagen davor – Kneten, Wärme, ein zufriedenes Gefühl beim Aufstehen. Am nächsten Morgen, wenn ich die ersten Kisten aus dem Lager sortierte, war der Zug im Kreuz trotzdem wieder da, unverändert, als hätte der Abend vorher gar nicht stattgefunden.
Massagen, ob mit Händen oder mit einem Gerät aus dem Versandhandel, wirken wie ein gutes Kapitel, das mich für den Moment ablenkt, ohne die Geschichte danach zu ändern. Als Buchhändlerin kenne ich das: Man kann einen Buchrücken glattstreichen, aber wenn die Bindung locker ist, bricht das Buch immer wieder an derselben Stelle auf.
Ich bin keine Physiotherapeutin oder Ärztin, sondern eine Frau, die viel steht und sich für ihren eigenen Rücken interessiert. Wer heftige oder anhaltende Beschwerden hat, sollte damit zuerst zu einem Orthopäden oder einer Physiotherapeutin gehen, statt selbst herumzuprobieren.

Wirbelsäulentherapie: kontrollierte Bewegung statt bloßes Kneten
Eine Freundin hat mich im Frühjahr auf die Wirbelsäulentherapie von reichl gebracht. Sie geht selbst zu einem Pilates-Kurs in der Osterstraße und meinte nur, das hier sei etwas anderes: keine Entspannung um jeden Preis, sondern gezielte, kontrollierte Bewegung für die Wirbelsäule. Das klang zuerst falsch in meinen Ohren – warum sollte ausgerechnet Belastung helfen, wo doch alles in mir nach Ruhe verlangte?
Der Unterschied wurde mir erst nach den ersten Wochen klar, auch ohne dass ich jedes Detail der Übungen verstand. Es geht nicht darum, Muskeln weichzuklopfen, sondern sie unter kontrollierter Spannung arbeiten zu lassen – ungefähr so, wie man ein wackliges Regal nicht abstaubt, sondern die Winkel neu ausrichtet.
Vierzig Jahre Praxis bringt der Therapeut hinter dem Kurs mit, nach eigenen Angaben – das merkt man vor allem daran, wie ruhig er die einzelnen Schritte erklärt, ohne große Heilsversprechen. Morgens reicht mir inzwischen oft eine kurze Zehn-Minuten-Runde auf der Matte, mehr nicht, bevor ich in den Laden fahre.
Es gab auch Wochen, in denen die Matte gar nicht ausgerollt wurde. Eine Inventur im Laden hat mich einmal so aufgefressen, dass ich drei Abende hintereinander nur noch aufs Sofa gefallen bin, das Leinen-Heft ungeöffnet daneben.

Aufrecht am Bücherwagen, ohne es zu merken
In Woche zehn schob ich den Bücherwagen durch den Mittelgang und merkte erst hinterher, dass meine Schultern die ganze Zeit nicht nach vorne gehangen hatten. Kein bewusstes Geradeziehen, kein Zähne-Zusammenbeißen – die Haltung war einfach da. Das ist wahrscheinlich der eigentliche Effekt der Wirbelsäulentherapie: nicht die einzelne Übung, sondern dass ich die Ausrichtung mittlerweile auch dann mitnehme, wenn ich längst nicht mehr an eine Übung denke, etwa beim Einsortieren im Regal oder an der Kasse.
Neun Stunden Stehen sind für den unteren Rücken eine andere Belastung als ein Bürotag, das habe ich vorher unterschätzt; die Wirbelsäulentherapie hat mir eher eine Grundhaltung gegen diese Dauerbelastung gegeben als eine einzelne Wunderübung.
Die Kundin, die jeden Donnerstag nach diesem einen Doppelgänger-Band fragt, den wir nie vorrätig haben, war letzte Woche wieder da. Früher hätte mich das lange Suchen und Bücken in den Regalreihen rein körperlich genervt. Diesmal blieb mein Rücken ruhig, nicht weil die Verspannung wegmassiert war, sondern weil ich inzwischen weiß, wie ich mich dabei halte.
Was aus Woche zehn bleibt
Kleine Gewohnheiten haben sich eingeschlichen, die mit der eigentlichen Matten-Übung kaum noch zu tun haben. Wenn der Rücken beim Kochen zieht, greife ich inzwischen eher zu dem, was ich unter Rückenschmerzen beim Kochen und Vorbereiten in der Küche effektiv vorbeugen für mich zusammengetragen habe, als zu einer neuen Massage-Verabredung. Nach besonders langen Schichten im Laden hilft mir außerdem Fußgymnastik gegen Rückenschmerzen, weil die Füße nach neun Stunden auf Linoleum genauso mitreden wie der untere Rücken.
Früher habe ich bestimmte Bewegungen im Lager instinktiv vermieden, aus einer Art vorauseilender Angst vor dem nächsten Ziehen im Kreuz – das legt sich erst, wenn man merkt, dass die Bewegung selbst nicht das Problem ist. Für alles, was über den Rücken hinausgeht, höre ich inzwischen manchmal sonntags auch in Phaenomen Leben hinein, eher als Begleitung für lange, ruhige Abende als als Fortsetzung der Übungen.
Was am Ende dieser zehn Wochen bleibt, ist kein großes Heilungsversprechen, sondern eine kleine Regel, die ich mittlerweile öfter befolge als jede einzelne Übung: lieber einmal am Tag kurz auf die eigene Haltung achten, als einmal in der Woche eine ganze Stunde beim Masseur nachzuholen. Wer merkt, dass die klassischen Wege bei ihm nicht mehr richtig greifen, findet in der Wirbelsäulentherapie vielleicht keinen Zauberstab, aber ein Werkzeug, das man selbst in der Hand behält. Blasius schnurrt gegen meine Wade, das Leinen-Heft ist zugeklappt, und der Wasserkocher ist längst kalt.