Übungen gegen Rundrücken und Nackenschmerzen nach dem Bücher einsortieren

Du kennst das: Du hast gerade eine Kiste mit fünfzehn Kilo neuen Titeln ausgepackt, dich zwanzig Mal gebückt und wieder gestreckt, und plötzlich fühlt sich dein Nacken an wie eine zu straff gespannte Schnur, aber du könntest nicht sagen, wann genau das passiert ist? Nackenschmerzen und ein Rundrücken gehören für mich zum Buchhändler-Alltag wie der Wasserkocher zur Mittagspause, und die kürzeste Antwort, die ich darauf habe, lautet: erst den Nacken beruhigen, dann erst dehnen, nie umgekehrt.

Mein unterer Rücken hat sein eigenes Kapitel, das eher mit Alltagsstress als mit Bücherkisten zu tun hat – hier geht es ausschließlich um das, was beim Einsortieren oben, an Nacken und Brustwirbelsäule, passiert.

Der Bewegungsablauf, der beim Einsortieren auf Nacken und Rundrücken geht

Eine Lieferung vom Verlag bedeutet selten nur eine einzelne Bewegung. Kiste heben, auf den Bücherwagen wuppen, bücken zum untersten Fach, strecken zum obersten Regalbrett, wieder bücken – dazwischen hängt der Blick ständig auf Buchrücken und Bestellschein. Diese Mischung aus Blick-nach-unten und Arm-nach-oben fordert den Nacken mehr als das reine Gewicht der Kiste. Wer eine fünfzehn Kilo schwere Kiste anhebt, sollte sie zumindest nah am Körper halten, statt sie mit ausgestreckten Armen zu balancieren – wie man richtig hebt, ist wieder eine andere, ausführlichere Geschichte.

Neun Stunden am Tag an der Theke und auf der Leiter zu stehen, macht das Fundament müde, noch bevor die erste Kiste geöffnet ist. Ich habe mal separat aufgeschrieben, wie sehr mir Fußgymnastik gegen Rückenschmerzen bei diesen langen Schichten hilft – die Füße spielen bei der ganzen Haltungsgeschichte eine größere Rolle, als man beim Bücherstapeln vermutet. Wie man mit derart langem Stehen im Verkauf grundsätzlich umgeht, ist nochmal ein eigenes Thema.

Stapel schwerer Bücher auf dem Holzboden neben einer Katzenpfote – typische Belastung für Rundrücken und Nacken im Buchhändler-Alltag

Erst beruhigen oder gleich dehnen?

Lange habe ich gedacht, die Lösung sei kräftiges Dehnen – Kopf von links nach rechts kippen, bis es knackt, die Brust so weit wie möglich öffnen. Eine Weile habe ich sogar Yoga-Übungen von YouTube auf dem Wohnzimmerboden nachgemacht, in der Hoffnung, ein strammes Programm würde die Spannung einfach wegdehnen. Genau das war der Fehler: Wenn der Nacken schon gereizt ist, macht forsches Aufreißen der Brustmuskulatur die Sache eher schlimmer als besser. Mein Rücken hat mir irgendwann gezeigt, dass die Reihenfolge zählt – erst die überlastete Nackenmuskulatur zur Ruhe bringen, dann erst in die Weite gehen.

Das Prinzip dahinter, eine Art Wirbelsäulengymnastik ohne Kraftakt, stammt aus der Wirbelsäulentherapie, deren Grundgedanken ich an anderer Stelle ausführlicher aufgeschrieben habe. Es unterscheidet sich auch von klassischer Physiotherapie, aber diesen Vergleich habe ich woanders genauer aufgedröselt. Hier reicht die kurze Fassung: Ruhe zuerst, Weite danach, nie umgekehrt.

Vom flachen Liegen zur ersten Bewegung

Flach auf dem Rücken liegen, zuerst. Ich warte, bis die Schulterblätter wirklich in die Matte sinken, bevor überhaupt etwas mobilisiert wird. Meine Matte liegt keine zwei Schritte vom Bücherregal entfernt, direkt neben dem Küchentisch mit dem Leinenheft, und wenn der Himmel über der Elbe klar ist, blitzt durchs Fenster ein Streifen Silhouette herein. Blasius braucht von seinem Fensterbrett aus nur einen einzigen Sprung bis zur Matte.

Erst danach kommen sanfte Übungen für die Brustwirbelsäule, nie mit Schwung, eher wie ein langsames Aufklappen. Zwischendurch achte ich auf die Muskulatur rund um die Rippen, die bei mir oft fester ist, als erwartet – lockert sich dieses Gewebe, wird der ganze nächste Schritt leichter. Der Atem kommt danach von selbst tiefer. Für die Rumpfstabilität mache ich bewusst wenig extra, weil zehn Minuten am Morgen ohnehin knapp bemessen sind; diese kurze Morgenroutine beschreibe ich andernorts im Detail.

Trainingsmatte zwischen Bücherregal und Küchentisch – Wirbelsäulengymnastik als Selbsthilfe gegen Rückenschmerzen am Sonntagabend

Kleine Zeichen, die für mich zählen

Neulich, beim Aufbauen der neuen Schaufensterauslage, bin ich mit beiden Handflächen flach auf den Boden gegangen, um die unterste Stapelreihe gerade zu rücken – und da war kein Ziehen. Kein reflexartiges Anspannen im unteren Rücken, kein Ausweichen über die Knie. Genau solche beiläufigen Momente sind für mich der eigentliche Beweis, nicht ein einzelnes großes Erlebnis.

Meine Kollegin Helene, die an der Theke fast ausschließlich Übersetzungen aus dem Skandinavischen liest, hat neulich kommentarlos bemerkt, dass ich nach der Leiterschicht anders gehe als früher – sie sagt so etwas nie direkt, aber sie sieht es. Wovor ich inzwischen weniger Angst habe, ist das Bücken selbst; diese Sorge, jede Bewegung könnte etwas verschlimmern, hält sich hartnäckiger, als man denkt, und ist ein eigenes Kapitel für sich.

Der Blick, der den ganzen Tag auf Bestellscheinen und Buchrücken hängt, gehört zum selben Bewegungsmuster wie bei jedem, der viel auf Papier oder Bildschirme schaut – dazu habe ich separat aufgeschrieben, warum Nackenschmerzen durch häufiges nach unten schauen bei uns Buchhändlerinnen fast schon Berufskrankheit sind.

Ein einfacher Test, den ich mir angewöhnt habe: Sonntags, wenn ich am Elbstrand in Övelgönne spazieren gehe, strecke ich beide Arme über den Kopf und prüfe, ob der Nacken meckert. Meckert er, war irgendetwas in der Buchhandlung zu einseitig; bleibt er ruhig, ist das schon die ganze Rückmeldung, die ich brauche.

Ich bin keine Physiotherapeutin und keine Ärztin – nur eine Buchhändlerin, die zwischen Bücherregal und Küchentisch ihre eigene kleine Form von Selbsthilfe für den Rücken betreibt. Wenn der Schmerz akut wird oder einfach nicht weichen will, gehört er in die Hände einer Fachperson, nicht in ein Leinenheft.

Bitte beachten: Hier auf der Seite teile ich, was ich selbst durchgemacht habe -- kein medizinischer, finanzieller oder rechtlicher Ratschlag. Was bei mir funktioniert hat, muss bei dir nicht funktionieren. Sprich mit deinem Arzt, Steuerberater oder Anwalt, bevor du Entscheidungen triffst, die wirklich zählen.

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