Rückenschmerzen beim Gärtnern auf dem Balkon vermeiden durch gezielte Entlastung

Ein Sack Blumenerde wiegt weniger als der Rückläufer-Karton, den ich freitags ins Lager der Buchhandlung wuchte – und trotzdem ist es ausgerechnet mein schmaler Balkon in der Altonaer Nebenstraße, der meinem unteren Rücken öfter einen Denkzettel verpasst als die Regale in der Großen Elbstraße.

Wer im Buchladen steht und zuhause gärtnert, lernt ziemlich schnell, dass Rückengesundheit weniger mit Kraft zu tun hat und mehr mit Bewegung im Alltag – mit der Frage, wie oft man die Position wechselt, nicht wie stark man ist. Genau darum soll es hier gehen: um die Fragen, die mir andere Balkon-Gärtnerinnen mit Rückenproblemen am häufigsten stellen, und um das, was bei mir tatsächlich einen Unterschied gemacht hat.

Warum ausgerechnet mein Balkon in Hamburg-Altona dem Rücken mehr zusetzt als die Buchhandlung

In der Buchhandlung bewege ich mich die ganze Schicht: zur Kasse, zum Regal, zur Leiter, zum Bücherwagen. Auf dem Balkon dagegen bleibe ich oft minutenlang in derselben gebückten Haltung über einem einzigen Kasten hängen, weil die nächste Pflanze ja gleich daneben steht. Dass der untere Rücken im Alltag oft genau da überlastet wird, wo man es am wenigsten erwartet – beim Bücken über den Blumenkasten, nicht beim Sport –, ist mittlerweile fast eine Standardweisheit unter allen, die viel stehen oder heben.

Der eigentliche Punkt liegt woanders: Nicht die Bewegung selbst macht den Unterschied, sondern wie lange man in einer einzigen Position verharrt. Wer das im Kopf hat, gärtnert automatisch anders.

Rückenhaltung beim Gießen: Nicht immer gerade

Nein, und das war lange meine eigene größte Fehlannahme.

Ständiges gerades Halten oder ein krampfhaftes Hocken schadet oft mehr als ein gelegentlicher Rundrücken. Die Wirbelsäule will sich bewegen, nicht in einer einzigen "richtigen" Stellung einfrieren. Genau dieses Prinzip aus der Wirbelsäulentherapie, dass Bewegung wichtiger ist als eine einzige richtige Haltung, ist bei mir inzwischen so selbstverständlich wie das Umblättern einer Seite. Auch die Brustwirbelsäule spielt dabei mit, gerade wenn man sich beim Gießen weit nach vorne streckt, ohne den oberen Rücken überhaupt mitzubewegen.

Mein Kriterium beim Gießen ist simpel: Sobald sich eine Haltung eintönig anfühlt, wechsle ich das Standbein oder strecke mich kurz durch, statt die Kanne bis zum letzten Topf in derselben Schräglage zu halten.

Der Erdsack, das Lager und die Sache mit dem Heben

Sack Blumenerde auf schmalem Balkon vor dem Heben – typische Rückenschmerzen-Falle beim Gärtnern

Wenn ich einen 40-Liter-Sack Blumenerde über die Balkonschwelle wuchte, merke ich sofort, ob ich aus den Beinen hebe oder aus dem Rücken. Der Sack selbst wiegt gut 15 bis 20 Kilogramm, sobald die Erde feucht ist, also ungefähr so viel wie mehrere volle Bücherkartons aus dem Lager. Wie man dieses Gewicht wirklich auf die Beine statt auf den unteren Rücken verlagert, bleibt so oder so die immer gleiche Bewegung, ob es nun ein Erdsack oder ein Bücherkarton ist.

Eine Rumpfmuskulatur, die im Berufsalltag mitarbeitet, nimmt dem unteren Rücken beim Heben spürbar etwas von der Last ab. Mein Kriterium beim Heben ist simpel: Wenn ich beim Anheben unbewusst die Luft anhalte, hebe ich falsch – dann setze ich den Sack ab und fange noch einmal an, diesmal mit bewusstem Ausatmen.

Belastung durch wiederholtes Beugen über das Geländer

Beim Zupfen der vertrockneten Lavendelblüten beugt man sich zwangsläufig immer wieder über dasselbe Geländer, oft in genau demselben Winkel. Eine steife Hüfte, die vom stundenlangen Stehen im Laden sowieso schon nicht mehr richtig mitmacht, macht jede dieser Beugungen nur noch enger. Wenn ich mich danach wieder aufrichte, gibt es manchmal dieses kleine, trockene Knacken tief im Kreuz, ein winziges Einrasten, ungefähr da, wo das Kreuzbein sitzt.

Das Iliosakralgelenk direkt daneben bekommt bei dieser wiederholten Beugung offenbar mehr ab, als man beim Gießen einer Geranie erwarten würde. Das Knacken selbst ist bei mir kein Alarmsignal, sondern eher eine Erinnerung, die Position zu wechseln – mein Kriterium: Erst wenn daraus ein ziehender Schmerz wird, der über den Moment hinaus bleibt, höre ich auf und mache etwas anderes.

Die Kassenschicht davor zählt mit

Bücherstapel im Lager der Buchhandlung als Sinnbild für Rückenbelastung im Alltag zwischen Stehen und Heben

Ja, und zwar mehr, als ich lange zugeben wollte. Wer wie ich vorher schon Stunden im Stehen an der Kasse verbracht hat, trägt diese Vorbelastung mit auf den Balkon, ob man will oder nicht. Neulich stand ich fast eine halbe Stunde am Kassenband, ein Buch nach dem anderen über den Scanner ziehend, und merkte erst beim Aufrichten, dass meine Hüfte in dieser ganzen Zeit kein einziges Mal schräg gestanden hatte.

Meine Nachbarin Finja Tiedemann, von Beruf Physiotherapeutin, hört sich das im Treppenhaus meistens höflich an und sagt erst mal gar nichts, wenn ich ihr erzähle, welche Übung ich gerade aus dem Kurs ausprobiere. Mein Kriterium für einen guten Kassentag: gleichmäßiges Gewicht auf beiden Füßen, nicht ständig auf derselben Hüfte abgestützt. Genau das entscheidet mit, wie viel vom Balkon danach überhaupt noch geht.

Einlegesohlen, Schuhe und was bei mir tatsächlich nichts gebracht hat

Ergonomische Einlegesohlen, die ich mir extra für die langen Arbeitstage an der Kasse zugelegt hatte, haben bei mir im Rücken so gut wie nichts verändert, egal wie oft ich sie getragen habe. Vermutlich, weil das eigentliche Problem nie die Sohle war, sondern die Art, wie ich mein Gewicht über den Tag verteilt habe.

Wie die Füße überhaupt auf dem Boden stehen, entscheidet oft mehr über den Rücken als jedes Schuhwerk, das man sich extra dafür kauft. Mein Kriterium seitdem: lieber alle paar Minuten das Standbein wechseln, als auf eine einzelne Einlage zu vertrauen, die das für einen erledigen soll.

Wann Gärtnern aufhört, ein gutes Zeichen zu sein

Erdverschmutzte Hände nach der Balkon-Gartenarbeit halten eine Tasse Tee als kurze Pause für den Rücken

Muskelkater am Abend nach dem Umtopfen ist für mich in Ordnung. Ein ziehender, ausstrahlender Schmerz, der auch beim Sitzen nicht nachlässt, ist es nicht – dann höre ich auf und rede mit jemandem, der das wirklich beurteilen kann, nicht mit meinem Leinen-Heft.

Die größte Falle ist ohnehin nicht der Schmerz selbst, sondern die Angst davor, sich beim nächsten Griff zur Gießkanne wieder etwas einzureißen. Thordis aus unserer kleinen Rückenrunde in Altona hätte sofort gemerkt, wenn ich hier übertreibe, sie hat ein Gespür für solche Sachen – deshalb bleibe ich lieber ehrlich: Nicht jeder Griff zur Gießkanne fühlt sich sofort leichter an, und das darf auch mal so stehen bleiben, ohne dass ich es schönrede.

Die Hüfte lockern, bevor der erste Topf umgetopft wird

Kater Blasius liegt neben der Gymnastikmatte während kurzer Rückenübungen für mehr Bewegung im Alltag

Zehn Minuten auf einer zusammengeklappten Matte reichen bei wenig Platz oft schon, um die Hüfte vor dem Umtopfen zu lockern. Was dabei eigentlich passiert, ist weniger Dehnung als ein Lösen der Faszien, die sich durch stundenlanges Stehen an der Kasse regelrecht verkleben. Blasius, mein Kater, nutzt diese zehn Minuten meistens, um sich mitten auf die Matte zu legen, was die Übung nicht gerade einfacher macht.

Wer morgens ohnehin schon steif aus dem Bett kommt, merkt die Balkonarbeit meist noch direkter – dazu habe ich in meinem Text über morgendliche Steifheit im Rücken ausführlicher geschrieben. Die neuen Lavendeltriebe für die Kästen habe ich mir dieses Mal von einem kleinen Stand am Spritzenplatz im Schanzenviertel mitgebracht, einfach weil ich sowieso dort in der Nähe war und die Auswahl größer ist als bei mir um die Ecke.

Der eine Unterschied zwischen entlastendem und belastendem Gärtnern

Ob das nun Wirbelsäulentherapie oder klassische Physiotherapie heißt, ist dabei gar nicht die erste Frage, die sich stellt. Wichtiger ist, was einen tatsächlich in Bewegung bringt. Und dann ist da noch das Zwerchfell, das sich beim angehaltenen Atem übers Geländer genauso verspannt wie die Schultern, nur merkt man es seltener.

Dass ich meinen Rücken ohne Geräte stärken kann, merke ich immer wieder in solchen Momenten, beim Sackheben genauso wie beim Einsortieren der schweren Bildbände im Laden.

Manchmal sitzt die Anspannung ohnehin ganz woanders als im Kreuz, und wer dem nachgehen will, findet dazu mehr in meinem Text über emotionale Blockaden und Rückenschmerzen. Manche sehen im Ganzen sogar ein Zeichen für etwas Größeres, für ein neues Verständnis vom eigenen Körper insgesamt – so weit würde ich als Buchhändlerin zwischen Blumenkästen nicht gehen, aber ich verstehe, warum manche Leserinnen genau dort landen.

Für mich läuft es auf diese eine Unterscheidung hinaus: Entlastendes Gärtnern bedeutet wechselnde Haltung, bewusstes Ausatmen beim Heben und kurze Pausen, bevor der Rücken sie einfordert. Belastendes Gärtnern bedeutet, in einer Position zu verharren, bis der letzte Kasten fertig ist, und die Warnzeichen bis zum Pfeifen des Wasserkochers zu ignorieren. Zwischen diesen beiden liegt fast der ganze Unterschied, den ein Balkon für den unteren Rücken machen kann.

Bitte beachten: Hier auf der Seite teile ich, was ich selbst durchgemacht habe -- kein medizinischer, finanzieller oder rechtlicher Ratschlag. Was bei mir funktioniert hat, muss bei dir nicht funktionieren. Sprich mit deinem Arzt, Steuerberater oder Anwalt, bevor du Entscheidungen triffst, die wirklich zählen.

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