Wie man schwere Taschen tragen kann ohne Rückenschmerzen zu bekommen

Acht Bücher in einer Tasche, eine zweite mit Gemüse obendrauf, und kein einziges Mal musste ich die Schulter wechseln auf dem Weg zur Bushaltestelle. Das war Samstagfrüh auf dem Fischmarkt in Altona, so zeitig, dass die Händler ihre Stände noch aufbauten, und mein Rücken hat sich einfach nicht gemeldet. Für mich ist das im Moment die ehrlichste Definition von Rücken-Gesundheit, die ich kenne: nicht schmerzfrei für immer, sondern an einem x-beliebigen Samstag einfach nicht daran denken zu müssen. Ergonomie im Alltag zwischen Fischmarkt und Buchhandlung fängt für mich genau hier an: bei der Körpermitte, nicht bei den Armen.

Wer beruflich mit Büchern zu tun hat, kennt das Gewicht von Kartons, die eigentlich für zwei Hände gedacht sind. Es gibt sogar eine Lastenhandhabungsverordnung, die grob regelt, was Frauen im Job zumutbar ist. Ich habe sie einmal überflogen und seitdem nie wieder nachgeschlagen, weil mein Alltag sich ohnehin nicht an Paragraphen hält.

Warum tut die eine Tasche weh und die andere nicht?

Früher habe ich Taschen wahllos über eine Schulter geworfen, den Jutebeutel rechts, die Handtasche links, und mich gewundert, warum sich am Abend dieses altbekannte Ziehen Richtung Lendenwirbelsäule meldete. Behandelt habe ich das lange mit einem Ibuprofen-Gel aus der Apotheke, aufgetragen kurz vor Dienstbeginn, in der Hoffnung, dass es reicht, um neun Stunden an Theke, Leiter und Bücherwagen durchzustehen. Es half höchstens zwei Stunden, dann kam das Ziehen zurück, meistens genau dann, wenn ich mich zum x-ten Mal nach einem heruntergefallenen Taschenbuch bückte.

Eine Freundin, die selbst seit einer Weile einen Töpferkurs in Ottensen belegt und dabei offenbar ähnliche Probleme mit Handgelenk und Rücken hat, hat mir irgendwann von der Wirbelsäulentherapie erzählt, die sie selbst ausprobiert. Skeptisch war ich, wie man das eben ist, wenn man schon eine Apothekenschublade voller halbleerer Tuben hat.

Körpermitte statt Kraftakt

Was ich stattdessen gelernt habe, hat weniger mit Anspannen zu tun als mit Ausrichten. Bevor ich eine schwere Tasche vom Boden hebe, sammle ich kurz die Aufmerksamkeit in der Körpermitte, richte das Becken, und hebe dann aus den Beinen. Ich bin keine Physiotherapeutin, ich erkläre hier keine Muskeln und keine Mechanismen — ich beschreibe nur, was bei mir im Laden in der Großen Elbstraße funktioniert, zwischen Kasse und unterstem Regalfach.

Nahaufnahme von Händen, die eine schwere Tasche mit Büchern und Gemüse rückenschonend aus der Körpermitte anheben – Ergonomie im Alltag.

Es gibt diesen weitverbreiteten Rat, einen Rucksack möglichst fest an den Rücken zu schnallen, um die Haltung zu halten. Ich habe lange geglaubt, straffer sei automatisch besser für den Rücken. Aber ein bisschen Spiel in den Gurten erlaubt dem Körper, beim Gehen auszugleichen. Starr wird schneller wund als locker. Getestet habe ich das im Sommer, als ich einen Stapel Remittenden zum Paketshop trug: Schultern gelockert, Gurte nicht bis zum Anschlag festgezogen, und abends meldete sich nichts.

Acht Wochen, bis Blasius mir zeigte, was sich verändert hatte

Im Heft steht bei der achten Woche nur ein kurzer Satz, mehr nicht: Donnerstagmorgen, Blasius vom Fensterbrett gehoben, nichts gespürt. Klingt banal, aber der Kater sitzt gern genau auf der obersten Kante, dort, wo man ihn nur mit ausgestrecktem Arm und leicht gedrehtem Oberkörper erreicht — genau die Bewegung, die früher zuverlässig das Ziehen auslöste. Diesmal: nichts. Kein Zögern vorher, kein Zusammenzucken danach.

Der Geruch von Papier und Buchleim hängt an solchen Abenden noch im Pullover, selbst nach der Dusche. Ein Wochenende zwischen Lager und Auslage hinterlässt eben seine Spuren. Was ich nebenbei auch gelernt habe: Eine Tasche, die einseitig über eine Schulter hängt, kippt den Brustkorb leicht zur Seite, und aus einem kurzen Weg vom Fischmarkt wird eine schiefe Last, ohne dass man es sofort merkt. Deshalb wechsle ich mittlerweile lieber die Seite, auch wenn beide Hände dann kurz voll sind.

Ein Stapel schwerer Bildbände auf einem Holztisch als Sinnbild für Buchhandel-Alltag und Rücken-Gesundheit beim Tragen.

Ergonomie im Alltag ist kein großes Wort

Es ist ein bisschen wie beim richtigen Sitzen beim Lesen: Wenn die Basis nicht stimmt, kippt alles, was darüber liegt. Beim Tragen gilt dasselbe Prinzip nur im Stehen und in Bewegung. Ich achte darauf, dass die Füße das Gewicht zuerst spüren, nicht die Schultern, und dass ich beim Losgehen nicht ins Hohlkreuz falle.

Wie man das in einen vollen Arbeitstag bekommt, ohne dass es jemand merkt, beschreibe ich an anderer Stelle genauer, dort, wo ich zeige, wie man Übungen in den vollen Arbeitstag integriert, zwischen zwei Kundengesprächen. Zuhause helfen mir andere Dinge — zum Beispiel, dass ich begonnen habe, in Altona öfter barfuß zu laufen, weil die Füße dann offenbar ehrlicher melden, wie ich stehe.

Es gibt auch Wochen, in denen die Matte gar nicht erst ausgerollt wird, neulich zum Beispiel, als drei Vertreterbesuche und eine Inventur auf denselben Freitag fielen. Dann bleibt nur die Erinnerung an die Ausrichtung, ohne die Übung selbst, und das muss reichen.

Was am Ende bleibt, ist keine Zauberformel und kein Heilsversprechen. Es ist die Erkenntnis, dass eine schwere Tasche weniger mit den Armen zu tun hat als mit der Reihenfolge: erst die Mitte ausrichten, dann heben, dann tragen. Wer das einmal im Körper gespürt hat, muss nicht mehr darüber nachdenken — er merkt es einfach, so wie ich es an jenem Samstag auf dem Fischmarkt gemerkt habe, mit acht Büchern in der einen und Gemüse in der anderen Tasche.

Bitte beachten: Hier auf der Seite teile ich, was ich selbst durchgemacht habe -- kein medizinischer, finanzieller oder rechtlicher Ratschlag. Was bei mir funktioniert hat, muss bei dir nicht funktionieren. Sprich mit deinem Arzt, Steuerberater oder Anwalt, bevor du Entscheidungen triffst, die wirklich zählen.

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